Manche Menschen haben trotz der wissenschaftlichen Fundierung des MBTIŽ Bedenken gegen die Anwendung dieses Instruments und die dahinterstehende Typologie. Zurecht wird angefragt, ob eine "Klassifizierung des Menschen" seiner Individualität gerecht werden kann, oder ob sie Menschen unzulässiger Weise in Schubladen steckt, die ihre Entfaltung einschränken.

Sofern der MBTIŽ kompetent und seriös angewendet wird, sind diese Bedenken unzutreffend. Grundregeln der Anwendung sind:

der MBTIŽ zeigt Hypothesen zur Selbstevaluierung. Das bedeutet, dass jeder Mensch für sich selbst entscheiden kann und muss, welche dieser Hypothesen auf ihn konkret zutreffen, und welche nicht. "Niemand anderes kann Dir sagen, wer oder wie Du bist!"

jeder Mensch ist einzigartig. Der MBTIŽ gibt nicht vor, diese Einzigartigkeit des Individuums gänzlich würdigen zu können. Der MBTIŽ kann lediglich Hypothesen zu grundlegenden Neigungen in den Bereichen der Wahrnehmung und Beurteilung formulieren.

Die Autoren der deutschen Version des MBTIŽ, Prof. Richard Bents und Dr. Rainer Blank schreiben dazu:

"Menschen sind verschieden. Sie unterscheiden sich in ihren Neigungen. Die individuellen Unterschiede sind offensichtlich. Menschen haben unterschiedliche Vorstellungen, mögen verschiedene Dinge, bevorzugen verschiedene Zugänge zu den Dingen und freuen sich am Leben auf unterschiedliche Weise. Dennoch finden wir so etwas wie "rote Fäden", die das Verhalten der Individuen trotz ihrer unendlichen Mannigfaltigkeit durchziehen. Mit einigen Menschen kommen wir hervorragend zurecht, während andere für uns unverständliche Sprachen zu sprechen scheinen.

Die Menschen sind grundsätzlich einzigartige und schon als solche interessante Lebewesen. Sie können sich verändern, sind komplex, machen uns wütend, enttäuschen uns, erfreuen uns, verwirren uns. Wie können wir uns unterfangen, diese edlen Geschöpfe auch nur ansatzweise verstehen zu wollen?

Eine Möglichkeit besteht darin, die verschiedenen Neigungen zu betrachten, die die Menschen in ihrer Art, die Welt wahrzunehmen und Entscheidungen zu treffen, an den Tag legen. Jungs psychologische Typentheorie behauptet nun, dass sich eine Menge der scheinbar zufälligen Unterschiede menschlichen Verhaltens in eine konsequente Ordnung bringen lässt. Diese Ordnung beruht auf gewissen grundlegenden Unterschieden in der Art und Weise, wie Menschen bevorzugt wahrnehmen (sich ihrer Umgebung bewusst werden) und beurteilen (Schlüsse aus ihren Wahrnehmungen ziehen). Ziel des MBTI ist, eine praktische Anwendung der Jungschen Theorie anzubieten.

Wir sind uns bewusst, dass diese Klassifizierungen die Einzigartigkeit des Individuums nicht gänzlich würdigen können. Dennoch können sie uns helfen, uns selbst und andere besser zu verstehen und gerade dadurch unsere eigene Einzigartigkeit noch besser zu erkennen. Jeder von uns besitzt besondere Eigenschaften, von denen wir Gebrauch machen können, um mit anderen in Beziehung zu treten; der MBTI ist ein Weg, um ein größeres Verständnis unserer selbst und anderer zu erlangen."

aus: Richard Bents/Rainer Blank, Der M.B.T.I. - Eine dynamische Persönlichkeitstypologie, Claudius-Verlag, 2. Auflage 1997, S. 41f.

"Typologie ist eine Landkarte
für das weite Feld der menschlichen Vielfalt."
(C.G. Jung)


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